Mann hält ein Cannabisblatt

UFC streicht Cannabis von der Verbotsliste: die neue Regelung

09/01/2024
Inhaltsverzeichnis
  1. Die neue Anti-Doping-Regelung der UFC
  2. Wie sich der Blick des Sports auf Cannabis ändert
  3. Cannabis, Gesundheit und Leistung von Sportlern

Die neue Anti-Doping-Regelung der UFC

Die Ultimate Fighting Championship (UFC) hat Cannabis mit ihrer neuen Anti-Doping-Regelung, gültig ab dem 31. Dezember 2023, von der Verbotsliste gestrichen. Die Entscheidung spiegelt einen breiteren Wandel im Umgang mit Cannabis wider. Sie gilt allerdings nur für die eigenen Regeln der UFC: Für Kämpfer können weiterhin die Vorschriften anderer Stellen gelten, etwa der Athletic Commissions der US-Bundesstaaten.

Die Entscheidung von 2021 als Vorstufe

Der Weg zu dieser Regelung begann im Januar 2021. Damals änderten UFC und USADA die Anti-Doping-Regeln der UFC rückwirkend zum 1. Januar 2021: Ein positiver Test auf Carboxy-THC, ein Abbauprodukt von THC, gilt seitdem nicht mehr als Verstoß, solange nichts auf einen gezielten Konsum zur Leistungssteigerung hindeutet.

Das Ziel der UFC: ein fortschrittliches Anti-Doping-Programm

Hunter Campbell, Chief Business Officer der UFC, zeigte sich stolz auf die Fortschritte der letzten acht Jahre. Die UFC will das wirksamste und fortschrittlichste Anti-Doping-Programm im Profisport haben. Dazu gehört ein unabhängig durchgeführtes Testprogramm, das faire Wettkämpfe für alle UFC-Athleten sichern soll.

Wie sich der Blick des Sports auf Cannabis ändert

Die neue Regel der UFC ist Teil einer größeren Entwicklung im Sport rund um Cannabis, THC und CBD. Auch andere große Ligen wie NFL und NBA haben ihre Cannabisregeln reformiert und gehen differenzierter mit dem Cannabiskonsum ihrer Sportler um.

NFL und NBA als Vorreiter

Die National Football League (NFL) hat ihre Cannabistests mit dem Tarifvertrag von 2020 deutlich verändert: THC-Tests gibt es nur noch in den ersten zwei Wochen des Trainingslagers, der Grenzwert für einen positiven Test wurde angehoben und Sperren wegen positiver Marihuana-Tests fallen weg. Ähnlich hat die National Basketball Association (NBA) Cannabis mit ihrem Tarifvertrag von 2023 von der Liste verbotener Substanzen genommen. Spieler dürfen unter bestimmten Bedingungen in Cannabisunternehmen investieren, bei Firmen mit stärker THC-haltigen Produkten etwa nur als passive Minderheitsbeteiligung ohne Kontrolle. Wer bei Ligaveranstaltungen unter Einfluss steht, kann weiterhin bestraft werden.

Die Haltung der Welt-Anti-Doping-Agentur

Trotz dieser Änderungen in den großen Ligen verbot die Welt-Anti-Doping-Agentur (WADA) zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Beitrags weiterhin natürliche und synthetische Cannabinoide im Wettkampf, während Cannabidiol (CBD) seit 2018 ausgenommen ist. Laut USADA erfüllen Cannabinoide nach Einschätzung des WADA-Expertengremiums zwei der drei Kriterien für die Aufnahme in die Liste, nämlich ein Gesundheitsrisiko für Athleten und einen Verstoß gegen den Geist des Sports. Belege für eine Leistungssteigerung waren dagegen begrenzt. Die Haltung stieß auf Kritik, etwa im Fall der US-Sprinterin Sha’Carri Richardson. Sie akzeptierte 2021 eine einmonatige Sperre, nachdem bei den US-Olympia-Ausscheidungen ein Cannabis-Abbauprodukt in ihrer Probe gefunden worden war. Ihre Qualifikationsergebnisse für die Spiele von Tokio 2020 wurden dadurch gestrichen.

Cannabis, Gesundheit und Leistung von Sportlern

Reformen der Cannabisregeln gelten im Sport oft als fortschrittlich, auch weil die Frage im Raum steht, ob Cannabis Sportlern bei verletzungsbedingten Schmerzen helfen könnte. Einige ehemalige Profisportler, darunter frühere NFL-Spieler, haben sich öffentlich für Cannabis bei chronischen Schmerzen aus ihrer Karriere ausgesprochen. Eine Übersichtsarbeit im Clinical Journal of Sport Medicine von 2018 bewertete die Evidenz für Cannabis bei chronischen Schmerzen jedoch als begrenzt, wenn auch vielversprechend. Die Forschung belegt also nicht, dass Cannabis bei Sportverletzungen wirkt.

Umfragen zur Einstellung gegenüber Cannabis im Sport

Neuere Umfragen zeigen insgesamt eine positive Einstellung gegenüber Cannabinoiden im Sport. In einer Umfrage von 2020 unter 517 Rugby-Profis hatten 26 % CBD verwendet, vor allem zur Regeneration, gegen Schmerzen und für den Schlaf. Die meisten von ihnen gaben an, einen Nutzen bemerkt zu haben. Solche Selbstauskünfte zeigen allerdings nicht, dass CBD die Regeneration fördert. Eine Umfrage von 2023 unter 333 Sportmedizinern ergab eine überwiegend positive Haltung zu CBD und Cannabis, die je nach Alter, Art der Praxis und Geschlecht unterschiedlich ausfiel. Männliche und jüngere Ärzte hielten Cannabis seltener für leistungssteigernd.

Forschung zu Cannabis und wiederholten Kopfbällen

Eine Studie von 2023 mit 43 erwachsenen Fußballspielern verglich nach 20 kontrollierten Kopfbällen Spieler, die in den sechs Monaten davor mindestens einmal pro Woche Cannabis konsumiert hatten, mit Nichtkonsumenten. Die Cannabisgruppe zeigte geringere kurzfristige Einschränkungen der Augenbewegungen und keinen Anstieg des Blutmarkers S100B. Beim zweiten Marker, Neurofilament-Leichtketten, gab es keinen Unterschied zwischen den Gruppen. Die Forscher vermuten, dass regelmäßiger Cannabiskonsum mit einer höheren Widerstandsfähigkeit nach Kopfbällen zusammenhängen könnte. Die Studie war jedoch klein, beobachtend und kurz angelegt. Sie zeigt nicht, dass Cannabis vor langfristigen Hirnschäden im Kontaktsport schützt.

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